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Wissens- und Hörenswertes

Tipps zum Lesen und andere Empfehlungen aus Kunst und Kultur.

 

“Not only has history been reduced largely to men only, but indeed to just a few men. This great commu­nity, this great revo­lu­tion in art and writing, has been lost to us.”

Mary Gabriel

The Ninth Street Women

While 11 women participated in the Ninth Street Show, Mary Gabriel chose to focus on five: Lee Krasner, Elaine de Kooning, Joan Mitchell, Helen Frankenthaler, and Grace Hartigan. Due to the 20-year span of their ages (Krasner was born in 1908 and Frankenthaler in 1928), they represent different chapters in Abstract Expressionism.

 

Rezensent Ingo Arend lässt sich von der Kunsthistorikerin Isabelle Graw vom ewigen Leben des Tafelsbilds überzeugen. Den geläufigen Urteilen der zeitgenössischen Kunstszene zum Trotz, die Malerei gern als ausgestorben deklariert, stelle Graw unter genauer Analyse und mit zahlreichen Beispielen aus der Geschichte anschaulich und nachvollziehbar dar, dass sich die Malerei, ebenso wie andere Medien auch, den Bedingungen unseres Zeitalters anpasst und dabei nicht verkommt. Abstand nehmen von einer Denkweise, die Anfang und Ende der Malerei festsetzen will, dafür plädiert Graw und der Rezensent misst dem präzise ausgearbeiteten Werk, das neue und alte Aufsätze geschickt kombiniere, so viel Bedeutung bei, dass er es am liebsten gleich zum Standardwerk erklären würde.
Rezensionsnotiz aus Die Tageszeitung
 

Marktschreierisch ist nur der Titel. Was sich dahinter verbirgt, ist für Elke von Radziewsky ein Beweis für die Großartigkeit des Handwerks und der Lust am Schauen. Hoffentlich werden es viele kaufen, das Buch, hofft die Rezensentin inständig und beteuert, in den letzten Jahren nur wenige Kunstbände gesehen zu haben, „die so lebendig, herzerfrischend und offen mit der Malerei umgingen.“ Das rührt zum einen wohl daher, dass Hockney ein „guter Erzähler“ ist, zum andern aber ist es ganz bestimmt auch einfach die Welt der Bilder, die hier bezaubert, eine, „die schöner und lebendiger ist, als die, die wir aus dem Fernsehen kennen.“ Wenn Hockney der solchermaßen eingestimmten Rezensentin sodann seine These kredenzt, „dass sich realistisches Malen nicht langsam entwickelte, sondern plötzlich da war – ein Qualitätssprung,“ und mit Korrespondenzen mit Fachleuten winkt, verwundert es also nicht, dass sie sie begeistert aufnimmt.
Rezensionsnotiz aus Die Zeit

Nach Jahren als Direktor bei der Londoner Tate Gallery hatte Will Gompertz genug – genug geschrieben, genug geredet, genug erklärt. Er entwickelte eine Ein-Mann-Comedy-Show über moderne Kunst und brachte sie selber beim renommierten Theaterfestival in Edinburgh auf die Bühne. Es wurde ein Riesenerfolg. Seitdem ist Will Gompertz in Großbritannien der Kunstlehrer der Nation – extra für ihn richtete die BBC die Stelle eines Kunstkorrespondenten ein. Dieses Buch versammelt alles, was ihn ausmacht: Fundiert und gewitzt erklärt Will Gompertz im besten britischen Stil, was moderne Kunst ist und warum wir sie entweder hassen oder lieben. Er lädt ein zu einem kurzweiligen Ausflug von Monets Seerosen zu Van Goghs Sonnenblumen, von Warhols Suppendosen zu Hirsts eingelegtem Hai – und offenbart dabei die Geschichten hinter den Meisterwerken und die Geheimnisse der Künstler. Erfrischend respektlos stellt Will Gompertz die Fragen, die man im Museum nicht zu stellen wagt. Statt vorzugeben, was gute Kunst ist, leitet er zur eigenen Urteilsbildung an.

Äußerst spannend.“ DEUTSCHLANDRADIO KULTUR „Der originellste Lehrer für moderne Kunst.“  BAYERN 2 „Will Gompertz erzählt ebenso unterhaltsam wie kenntnisreich. Danach ist man klüger.“ VOGUE „Große Kunst […] klar, lustvoll und anekdotenreich geschrieben […] ein gutes Investment.“
 

Der 1926 bei London geborene Brite war einer der einflussreichsten Intellektuellen des Landes. Mit seiner vierteiligen BBC-Serie „Sehen“ und dem dazu herausgebrachten und gleichnamigen Buch von 1972 forderte er das traditionelle Kunstverständnis seiner Zeit heraus. Er wollte weg von einer rein formalistischen Analyse von Kunstwerken hin zur Einbeziehung sozialer und politischer Kontexte und Bedeutungen. Das Buch wurde zum Bestseller und zur Standardlektüre an vielen Universitäten und Kunsthochschulen.

Rezensionsnotiz aus Der Tagesspiege

 

Das Buch ist nicht halb so dämlich wie sein Titel. Kritik ist ein Standpunkt, und die Übertragung des amerikanischen Originals „Nothing If Not Critical“ in „Denn ich bin nichts, wenn ich nicht lästern darf“ ist nur Schritt Nummer eins in der Strategie des populär orientierten Verlags, die Kunstkritik als junk food an Leserin und Leser zu bringen. Hughes ist erst 1970 nach New York gekommen, rechtzeitig, um die amerikanische Hybris der international überlegenen Kunst noch voll einzuatmen, aber zu spät, um Papst irgendeiner Bewegung zu werden. Es ist erfreulich, mit welchem Mut zur Klarheit er die überlieferten Pfründe der amerikanischen Aufbruchsmalerei auf ihren Wert schätzt: Alex Katz wird auf seinem Platz als raffiniert dekorativer Maler bestätigt und gegen Lobhudelei in Schutz genommen, Lee Krasner wird gegen den drückend elitären Ruf ihres früh verstorbenen Mannes Pollock als Malerin von Rang rehabilitiert, und Willem de Kooning erfährt Lob just mit den Frauen-Bildern aus den frühen Fünfzigern, die in seiner Retrospektive zum achtzigsten Geburtstag im Art Institute of Chicago (die Ausstellung kam danach, 1984, nach Berlin) – fehlen; und Hughes weiß auch, wo sie sind. Hughes stemmt sich gegen die verfestigten Ikonen der Kunstgeschichtsfestschreibung; de Chirico entlarvt er als eifrigen Fälscher seines eigenen Frühwerks. Auf Jean- Michel Basquiats Legende drischt Hughes herum und prophezeit 1988 dem Museum, das er am meisten haßt – dem Whitney –, eine Retrospektive; sie fand in diesem Winter statt. Seine Texte sind gut, um einen direkten Draht zum Werk eines einzelnen herzustellen, und sie sind dort am intensivsten, wo Hughes auf das Werk von Amerikanern zurückschaut, die nach 1945 prägend waren und geprägt wurden. Als Traditionalist ist Hughes natürlich am präzisesten, wo die Traditionen umgewälzt werden (David Smith, Nam June Paik), nicht dort, wo es ihnen an den Kragen geht. Unterwegs als Don Quichotte zwischen den Windmühlen des Kunstmarkts der achtziger Jahre, beruft sich der Kritiker auf einen common sense, dessen Gültigkeit man schon deshalb bezweifeln darf, weil Hughes ihn wie eine der Kunstgeschichte zugrunde liegende Naturgeschichte anpeilt.

Ulf Erdmann Ziegler in der TAZ

 

Zombies an den Wänden

Ivanka Trump dancing in front of a work by Dan Colen. Warum sieht derzeit so viel abstrakte Kunst gleich aus?
Jerry Saltz über die neue abstrakte Malerei im Monopol Magazin.

Die Richtungswechsel in der Kunst der letzten 150 Jahre ergaben sich fast immer aus spannenden, aber nicht eben mysteriösen Zusammenhängen. Die jeweiligen Kunstbewegungen beruhten auf den Eingebungen einiger Ausnahmekünstler oder besonderer Künstlerkonstellationen, die zunächst eine gewisse Anhängerschaft fanden, zu sogenannten Schulen oder Bewegungen wurden und alles um sie herum beeinflussten, bis sie schließlich mit dem Aufkommen weniger talentierter Epigonen verwässert wurden. Jüngere Künstler begannen sich dagegen aufzulehnen, und die Bewegung verebbte. So ging es dem Impressionismus, dem Postimpressionismus und den Fauvisten, später auch dem abstrakten Expressionismus nach den 50ern. Aber am Anfang standen immer die jeweils originellsten Werke. Diesmal ist allerdings irgendetwas mit dieser künstlerischen Morphologie furchtbar schiefgelaufen. Ihr Verlauf hat sich umgekehrt. In der aktuellen, extrem weitverzeigten Kunstwelt und ihrem entsprechenden Markt dominieren die Verwässerer. Eine ganze Flut aktueller Kunst wird allein vom Markt getrieben, insbesondere von nicht besonders gebildeten Spekulanten-Sammlern, die ihre reichen Freunde und deren reiche Freunde zum Kauf der immer gleichen Kunst drängen. Weiterlesen unter: http://archiv.monopol-magazin.de/blogs/der-kritiker-jerry-saltz-blog/2013368/Zombies-an-den-Waenden–Warum-sieht-derzeit-soviel-abstrakte-Kunst-gleich-aus-.html

 Unter:  http://www.vulture.com/2015/11/how-michael-krebber-brought-us-zombie-formalism.html schreibt Saltz über den Einfluß von Michael Krebber auf die neue Malergeneration
 

https://proxy.duckduckgo.com/iu/?u=https%3A%2F%2Fsep.yimg.com%2Fay%2Fpomegranate%2Frichard-diebenkorn-beginnings-1942-ndash-1955-101.jpg&f=1

A landmark contribution to the study and understanding of Diebenkorn’s work, Beginnings and its companion catalog reveal the forces that shaped the young artist, including works that range from World War II drawings and watercolors of soldiers, to abstractions that unite the forms of Surrealism and the fractured planes of Cubism, to gestural works on paper. The exhibition concludes with one of the artist’s first mature figurative paintings, his 1954 Untitled (Horse and Rider), laying the foundation for the representational drawings and paintings for which Diebenkorn earned wide renown.

Diebenkorn once remarked, “I think what one is about now has intimately to do with what one did yesterday, ten years ago, thirty years ago. Just as you can continue that progression, what somebody else did, forty years earlier, a hundred years earlier, I think that’s what one as an artist probably is.” This sentiment brackets the circuitous evolution that is clearly felt in the exhibition. In works made during the 13-year span covered in Beginnings, viewers will see how deftly Diebenkorn learned from a broad range of influences—from the social realism of Edward Hopper to the cubism of Georges Braque—adapting line, color, form, or process selectively as he developed his own artistic voice.

Portland Art Museum

Dazu auch interessant der Beitrag von Tyler Green zur Flucht von Diebenkorn aus Kalifornien wegen dessen zu großer künstlerischen Nähe zu Hassel Smith, einem in Europa kaum bekanntem Malkollegen.
 

 

 

Deleuze bewahrt bei aller Klarheit und Strenge der Darstellung seine Offenheit. Ihm geht es um eine Eröffnung, nicht um den Abschluß. Das wird vielleicht am deutlichsten in seinem Buch über Bacon, dessen Malerei er nicht kunsthistorisch oder philosophisch überfordert und entmündigt, sondern in seiner Eigenart gelten läßt. Erstaunlich ist vor allem Deleuzes Genauigkeit bei der Bildbeschreibung, sein Eingehen auf das Material, ohne die Perspektive seiner Fragestellung aus den Augen zu verlieren.

Auszug aus Die Zeit

Liebevoll gemachter Podcast und Blog mit gut recherchierten Beiträgen zu Kunst, Architektur und Design. https://99percentinvisible.org/

All over New York City, there is a woman in various states of undress, so baked into architecture that we barely even notice her. In the public library, she leans against a white horse; at the intersection of 59th and 5th, she perches atop a fountain; on 107th and Broadway, she reclines on a bed; and on top of the Manhattan Municipal Building she stands tall, this time cast in gold. She has gone by many names: Star Maiden, Priestess of Culture, Mourning Victory, and, simply: Niche Figure. But the truth is, all these likenesses were based on a single person: a model by the name of Audrey Munson.

 

 

Seit nunmehr acht Jahrzehnten greifen Menschen, die Fragen zu Farben, Pigmenten, Malmitteln und Bindemitteln, Malgeräten und Malgründen haben, auf dieses wichtige Standardwerk zurück.
Die Palette der Themen erstreckt sich von den antiken Maltechniken, der Temperamalerei des Mittelalters und der frühen Ölmalerei bis hin zu den jüngsten Malfarben, den Acrylfarben und den Alkydharzmalmitteln. Ein erklärender Anhang mit weiterführenden Literaturangaben, viele Farbtafeln und mehr als 200 Abbildungen veranschaulichen die Ausführungen über die Verwendung und Herstellung von Malfarben, das Grundieren von Leinwänden, die Fabrikation von Pinseln, die manuelle und industrielle Erzeugung von Malpapieren sowie generell die Theorie und Praxis verschiedener Malverfahren.

Klappentext zu „Malmaterial und seine Verwendung im Bilde „
 

Viele Autoren haben schon die Moderne zu Grabe getragen, aber kaum jemand so brillant und „luzide“ wie der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich in seinem neuen Essay „Siegerkunst“, versichert Rezensent Till Briegleb. Mit feinsinniger Ironie und geradezu „angelsächsischer Eleganz“ untersuche Ullrich den zeitgenössischen Kunstmarkt und lege in aller Schärfe dar, wie der bloße Marktwert eines Werkes Kategorien wie Authentizität des Künstlers, Werkinhalt, ästhetische Provokation oder gesellschaftliche Relevanz verdränge. Egal ob es sich um „Ästhetikunternehmer“ wie Olafur Eliasson, Jeff Koons und Damien Hirst oder Biennale-Künstler handele – stets geht es um Besitz statt Rezeption, liest der Kritiker bei Ullrich nach und erfährt, wie auch Kuratoren und Katalogtextverfasser den Werken mit „gestelzter Prosa“ Relevanz angedeihen lassen. Auch wenn der Begriff der „Siegerkunst“ nicht unbedingt als neuer Epochenbegriff dienen wird, hat Briegleb diesen scharfsinnigen Abgesang auf das kulturelle System mit Gewinn gelesen.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung

 

Muss man nicht am Stück und schon gar nicht ganz lesen. Perfekt für das name dropping in aktuellen Kunstdiskursen. Das Begriffslexikon zur zeitgenössischen Kunst bietet auf 376 Seiten einen kompakten Überblick über die wichtigsten Phänomene zeitgenössischer Kunst. Führende Theoretiker unserer Zeit beschreiben, analysieren und bewerten in 90 Essays pointiert die Kunstentwicklung von 1960 bis heute.