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Wissens- und Hörenswertes

In diesem Beitrag gibt es Tipps zum Lesen und andere Empfehlungen von mir. Sie betreffen nicht nur die Malerei, sondern alles was sich direkt oder indirekt mit Kultur und Kunst beschäftigt.

 

 

 

 

Rezensent Ingo Arend lässt sich von der Kunsthistorikerin Isabelle Graw vom ewigen Leben des Tafelsbilds überzeugen. Den geläufigen Urteilen der zeitgenössischen Kunstszene zum Trotz, die Malerei gern als ausgestorben deklariert, stelle Graw unter genauer Analyse und mit zahlreichen Beispielen aus der Geschichte anschaulich und nachvollziehbar dar, dass sich die Malerei, ebenso wie andere Medien auch, den Bedingungen unseres Zeitalters anpasst und dabei nicht verkommt. Abstand nehmen von einer Denkweise, die Anfang und Ende der Malerei festsetzen will, dafür plädiert Graw und der Rezensent misst dem präzise ausgearbeiteten Werk, das neue und alte Aufsätze geschickt kombiniere, so viel Bedeutung bei, dass er es am liebsten gleich zum Standardwerk erklären würde.
Rezensionsnotiz aus Die Tageszeitung

 

 

Von Spiegeln als Leinwand bis zu Computergemälden – dies ist die ultimative Monografie zum bisherigen Werk von Albert Oehlen. Gerade im viel beschworenen Tod der Malerei fand Oehlen Grund für ihre Wiederbelebung. Die neuen Regeln, durch die er sein Repertoire erweiterte, hatten vor allem ein Ziel: Regeln und Konventionen zu überwinden. Ein Must-have für jeden, der sich ernsthaft mit zeitgenössischer Kunst und der Zukunft der Malerei auseinandersetzen möchte.

Rezensionsnotiz vom Taschenverlag

 

 

Marktschreierisch ist nur der Titel. Was sich dahinter verbirgt, ist für Elke von Radziewsky ein Beweis für die Großartigkeit des Handwerks und der Lust am Schauen. Hoffentlich werden es viele kaufen, das Buch, hofft die Rezensentin inständig und beteuert, in den letzten Jahren nur wenige Kunstbände gesehen zu haben, „die so lebendig, herzerfrischend und offen mit der Malerei umgingen.“ Das rührt zum einen wohl daher, dass Hockney ein „guter Erzähler“ ist, zum andern aber ist es ganz bestimmt auch einfach die Welt der Bilder, die hier bezaubert, eine, „die schöner und lebendiger ist, als die, die wir aus dem Fernsehen kennen.“ Wenn Hockney der solchermaßen eingestimmten Rezensentin sodann seine These kredenzt, „dass sich realistisches Malen nicht langsam entwickelte, sondern plötzlich da war – ein Qualitätssprung,“ und mit Korrespondenzen mit Fachleuten winkt, verwundert es also nicht, dass sie sie begeistert aufnimmt.
Rezensionsnotiz aus Die Zeit

 

Nach Jahren als Direktor bei der Londoner Tate Gallery hatte Will Gompertz genug – genug geschrieben, genug geredet, genug erklärt. Er entwickelte eine Ein-Mann-Comedy-Show über moderne Kunst und brachte sie selber beim renommierten Theaterfestival in Edinburgh auf die Bühne. Es wurde ein Riesenerfolg. Seitdem ist Will Gompertz in Großbritannien der Kunstlehrer der Nation – extra für ihn richtete die BBC die Stelle eines Kunstkorrespondenten ein. Dieses Buch versammelt alles, was ihn ausmacht: Fundiert und gewitzt erklärt Will Gompertz im besten britischen Stil, was moderne Kunst ist und warum wir sie entweder hassen oder lieben. Er lädt ein zu einem kurzweiligen Ausflug von Monets Seerosen zu Van Goghs Sonnenblumen, von Warhols Suppendosen zu Hirsts eingelegtem Hai – und offenbart dabei die Geschichten hinter den Meisterwerken und die Geheimnisse der Künstler. Erfrischend respektlos stellt Will Gompertz die Fragen, die man im Museum nicht zu stellen wagt. Statt vorzugeben, was gute Kunst ist, leitet er zur eigenen Urteilsbildung an.

Äußerst spannend.“ DEUTSCHLANDRADIO KULTUR „Der originellste Lehrer für moderne Kunst.“  BAYERN 2 „Will Gompertz erzählt ebenso unterhaltsam wie kenntnisreich. Danach ist man klüger.“ VOGUE „Große Kunst […] klar, lustvoll und anekdotenreich geschrieben […] ein gutes Investment.“

 

Der 1926 bei London geborene Brite war einer der einflussreichsten Intellektuellen des Landes. Mit seiner vierteiligen BBC-Serie „Sehen“ und dem dazu herausgebrachten und gleichnamigen Buch von 1972 forderte er das traditionelle Kunstverständnis seiner Zeit heraus. Er wollte weg von einer rein formalistischen Analyse von Kunstwerken hin zur Einbeziehung sozialer und politischer Kontexte und Bedeutungen. Das Buch wurde zum Bestseller und zur Standardlektüre an vielen Universitäten und Kunsthochschulen.

Rezensionsnotiz aus Der Tagesspiegel

 

Turner Preisträger Grayson Perry über die Kunst und das Verschwinden der Avantgarde. Die von ihm erwähnte BBC Fernsehreihe „The Shock of the New“ die in den frühen 80ern für Wirbel sorgte, wurde von dem einflußreichen Kritiker Robert Hughes geschrieben und moderiert.

 

 

 

Das Buch ist nicht halb so dämlich wie sein Titel. Kritik ist ein Standpunkt, und die Übertragung des amerikanischen Originals „Nothing If Not Critical“ in „Denn ich bin nichts, wenn ich nicht lästern darf“ ist nur Schritt Nummer eins in der Strategie des populär orientierten Verlags, die Kunstkritik als junk food an Leserin und Leser zu bringen. Hughes ist erst 1970 nach New York gekommen, rechtzeitig, um die amerikanische Hybris der international überlegenen Kunst noch voll einzuatmen, aber zu spät, um Papst irgendeiner Bewegung zu werden. Es ist erfreulich, mit welchem Mut zur Klarheit er die überlieferten Pfründe der amerikanischen Aufbruchsmalerei auf ihren Wert schätzt: Alex Katz wird auf seinem Platz als raffiniert dekorativer Maler bestätigt und gegen Lobhudelei in Schutz genommen, Lee Krasner wird gegen den drückend elitären Ruf ihres früh verstorbenen Mannes Pollock als Malerin von Rang rehabilitiert, und Willem de Kooning erfährt Lob just mit den Frauen-Bildern aus den frühen Fünfzigern, die in seiner Retrospektive zum achtzigsten Geburtstag im Art Institute of Chicago (die Ausstellung kam danach, 1984, nach Berlin) – fehlen; und Hughes weiß auch, wo sie sind. Hughes stemmt sich gegen die verfestigten Ikonen der Kunstgeschichtsfestschreibung; de Chirico entlarvt er als eifrigen Fälscher seines eigenen Frühwerks. Auf Jean- Michel Basquiats Legende drischt Hughes herum und prophezeit 1988 dem Museum, das er am meisten haßt – dem Whitney –, eine Retrospektive; sie fand in diesem Winter statt. Seine Texte sind gut, um einen direkten Draht zum Werk eines einzelnen herzustellen, und sie sind dort am intensivsten, wo Hughes auf das Werk von Amerikanern zurückschaut, die nach 1945 prägend waren und geprägt wurden. Als Traditionalist ist Hughes natürlich am präzisesten, wo die Traditionen umgewälzt werden (David Smith, Nam June Paik), nicht dort, wo es ihnen an den Kragen geht. Unterwegs als Don Quichotte zwischen den Windmühlen des Kunstmarkts der achtziger Jahre, beruft sich der Kritiker auf einen common sense, dessen Gültigkeit man schon deshalb bezweifeln darf, weil Hughes ihn wie eine der Kunstgeschichte zugrunde liegende Naturgeschichte anpeilt.

Ulf Erdmann Ziegler in der TAZ

 

 

Zombies an den Wänden

Ivanka Trump dancing in front of a work by Dan Colen. Warum sieht derzeit so viel abstrakte Kunst gleich aus?
Jerry Saltz über die neue abstrakte Malerei im Monopol Magazin.

Die Richtungswechsel in der Kunst der letzten 150 Jahre ergaben sich fast immer aus spannenden, aber nicht eben mysteriösen Zusammenhängen. Die jeweiligen Kunstbewegungen beruhten auf den Eingebungen einiger Ausnahmekünstler oder besonderer Künstlerkonstellationen, die zunächst eine gewisse Anhängerschaft fanden, zu sogenannten Schulen oder Bewegungen wurden und alles um sie herum beeinflussten, bis sie schließlich mit dem Aufkommen weniger talentierter Epigonen verwässert wurden. Jüngere Künstler begannen sich dagegen aufzulehnen, und die Bewegung verebbte. So ging es dem Impressionismus, dem Postimpressionismus und den Fauvisten, später auch dem abstrakten Expressionismus nach den 50ern. Aber am Anfang standen immer die jeweils originellsten Werke. Diesmal ist allerdings irgendetwas mit dieser künstlerischen Morphologie furchtbar schiefgelaufen. Ihr Verlauf hat sich umgekehrt. In der aktuellen, extrem weitverzeigten Kunstwelt und ihrem entsprechenden Markt dominieren die Verwässerer. Eine ganze Flut aktueller Kunst wird allein vom Markt getrieben, insbesondere von nicht besonders gebildeten Spekulanten-Sammlern, die ihre reichen Freunde und deren reiche Freunde zum Kauf der immer gleichen Kunst drängen. Weiterlesen unter: http://archiv.monopol-magazin.de/blogs/der-kritiker-jerry-saltz-blog/2013368/Zombies-an-den-Waenden–Warum-sieht-derzeit-soviel-abstrakte-Kunst-gleich-aus-.html

 Unter:  http://www.vulture.com/2015/11/how-michael-krebber-brought-us-zombie-formalism.html schreibt Saltz über den Einfluß von Michael Krebber auf die neue Malergeneration

 

https://proxy.duckduckgo.com/iu/?u=https%3A%2F%2Fsep.yimg.com%2Fay%2Fpomegranate%2Frichard-diebenkorn-beginnings-1942-ndash-1955-101.jpg&f=1

A landmark contribution to the study and understanding of Diebenkorn’s work, Beginnings and its companion catalog reveal the forces that shaped the young artist, including works that range from World War II drawings and watercolors of soldiers, to abstractions that unite the forms of Surrealism and the fractured planes of Cubism, to gestural works on paper. The exhibition concludes with one of the artist’s first mature figurative paintings, his 1954 Untitled (Horse and Rider), laying the foundation for the representational drawings and paintings for which Diebenkorn earned wide renown.

Diebenkorn once remarked, “I think what one is about now has intimately to do with what one did yesterday, ten years ago, thirty years ago. Just as you can continue that progression, what somebody else did, forty years earlier, a hundred years earlier, I think that’s what one as an artist probably is.” This sentiment brackets the circuitous evolution that is clearly felt in the exhibition. In works made during the 13-year span covered in Beginnings, viewers will see how deftly Diebenkorn learned from a broad range of influences—from the social realism of Edward Hopper to the cubism of Georges Braque—adapting line, color, form, or process selectively as he developed his own artistic voice.

Portland Art Museum

 

Dazu auch interessant der Beitrag von Tyler Green zur Flucht von Diebenkorn aus Kalifornien wegen dessen zu großer künstlerischen Nähe zu Hassel Smith, einem in Europa kaum bekanntem Malkollegen.

Tyler Green interviewt Kuratoren und Künstler zu ihren Ausstellungen. Kunstgeschichte und Hintergrundwissen aus erster Hand.  Das Interview zu Diebenkorns ersten Schritten in die Malerei beginnt ab 27:50 in der zweiten Hälfte. https://manpodcast.com/

 

 

Alberto Giacometti und Caroline Tamagno im Gespräch in der Bar »Chez Adrien« in Paris, 1959 (Foto: Sammlung Jacques Polge, Verlag)

 

Franck Maubert hat Giacomettis junge Herzensdame von damals, die öffentlich stets nur Vorname blieb und nie einen Hehl aus ihren bezahlbaren Diensten gemacht hat, in unseren Tagen aufgesucht. Gefunden hat er sie in Nizza, in einer winzigen, staubigen Wohnung. Vom Leben erschöpft und gedanklich nicht immer bei der Sache. Maubert hört ihr zu und gewinnt das Vertrauen der Frau, die dem Künstler von Weltrang so wichtig war, dass er ihr zuliebe sogar die nähere Bekanntschaft mit Marlene Dietrich ausschlug. Mauberts literarisch ambitionierte Recherche ist ein einfühlsames, auch sehr persönlich geratenes Buch über die verzwickte wie verrückte Beziehung zwischen der jungen Hübschen und dem 40 Jahre älteren Bohémien. Außerdem lassen sich seine Zeilen als atmosphärisch starke Studie des Nachtlebens der 60er Jahre lesen. Da ist das Licht in den Gassen, den Bars, den Etablissements. Orte werden durchstreift, die dem Paar zwischen Verzweiflung und Glück zur flüchtigen Heimat wurden. Giacometti, geboren im Bergell, lebte ab den frühen 20er Jahren in Paris. Faltendurchfurcht, Kette rauchend, die Kleider kaum gipsspurenfrei, war er so etwas wie ein wandelndes Maskottchen der Existenzialisten. Er schuf ihnen ihre Kunst. Dem Material abgetrotzte Geschöpfe, fragil hineingestellt in den freien Raum. „Erst spät begreift sie“, schreibt Maubert über Caroline, „dass Alberto nicht wirklich eine Person zeichnet, sondern vielmehr das, was er sieht.“ Der Künstler und die Kokette: ein Gegensatzpaar. So nahe wie Caroline kamen ihm in Paris nur der Bruder Diego und Annette, die er jung geheiratet hatte. Wobei sie die Stube nicht verließ und ein paar Treppenstufen über dem Atelier verharrte, war die „andere“ da. Giacometti hatte an Caroline einen Narren gefressen. Er nahm Plünderungen durch ihre Zuhälter in Kauf, gab ihr Geld für einen roten Sportwagen. Manchmal wartete er Wochen an den vertrauten Tresen und in Etablissements auf sie. Als die Gefährtin ihm erzählt, mal eben einen greisen Freier geheiratet zu haben, bewahrt er die Ruhe. Will sie weiterhin. Dabei sind es andere Kreise, in denen er verkehrt. Ein für das junge Ding kaum zu begreifendes Ereignis spielt sich in London ab, wo Caroline mit ihm auf Francis Bacon trifft. Mauberts Besuch bei Caroline in Nizza ist nicht frei von Beklemmungen. Allzu Persönliches will er für seinen Essay gar nicht erfahren. Die Begegnung mit der Geläuterten verläuft zwischen Faszination und Irritation für ihn. Er verhehlt es nicht.

Auszug aus NZ-Blogs

 

Deleuze bewahrt bei aller Klarheit und Strenge der Darstellung seine Offenheit. Ihm geht es um eine Eröffnung, nicht um den Abschluß. Das wird vielleicht am deutlichsten in seinem Buch über Bacon, dessen Malerei er nicht kunsthistorisch oder philosophisch überfordert und entmündigt, sondern in seiner Eigenart gelten läßt. Erstaunlich ist vor allem Deleuzes Genauigkeit bei der Bildbeschreibung, sein Eingehen auf das Material, ohne die Perspektive seiner Fragestellung aus den Augen zu verlieren.

Auszug aus Die Zeit

 

 

Radiolab with Jad Abumrad and Robert Krulwich. All about colours.

 

Our world is saturated in color, from soft hues to violent stains. How does something so intangible pack such a visceral punch? This hour, in the name of science and poetry, Jad and Robert tear the rainbow to pieces. To what extent is color a physical thing in the physical world, and to what extent is it created in our minds? We start with Sir Isaac Newton, who was so eager to solve this very mystery, he stuck a knife in his eye to pinpoint the answer. Then, we meet a sea creature that sees a rainbow way beyond anything humans can experience, and we track down a woman who we’re pretty sure can see thousands (maybe even millions) more colors than the rest of us. And we end with an age-old question, that, it turns out, never even occurred to most humans until very recently: why is the sky blue?

 

 

Liebevoll gemachter Podcast und Blog mit gut recherchierten Beiträgen zu Kunst, Architektur und Design. https://99percentinvisible.org/

 

All over New York City, there is a woman in various states of undress, so baked into architecture that we barely even notice her. In the public library, she leans against a white horse; at the intersection of 59th and 5th, she perches atop a fountain; on 107th and Broadway, she reclines on a bed; and on top of the Manhattan Municipal Building she stands tall, this time cast in gold. She has gone by many names: Star Maiden, Priestess of Culture, Mourning Victory, and, simply: Niche Figure. But the truth is, all these likenesses were based on a single person: a model by the name of Audrey Munson.

 

 

 

Der Fotograf Matthias Schaller dokumentiert die Malpaletten berühmter Künstler – und schaut ihnen dadurch tief in die Seele. Seine erste Palette entdeckte der deutsche Fotograf Matthias Schaller zufällig im Atelier des US-Künstlers Cy Twombly. Es ist eher unüblich, dass Paletten aufgehoben werden, wertvoll sind ja die Bilder, nicht die Werkzeuge. Aber Schaller fand die Palette plötzlich spannender. Matthias Schaller ist ein Spezialist für indirekte Porträts, das heißt: Er bildet das eine ab und zeigt dadurch das andere. Zum Beispiel hat er Kardinäle im Vatikan porträtiert, indem er nicht sie, sondern ihre Schreibtische fotografierte. Die Malerpaletten sind nun vielfache Porträts: Sie erlauben Rückschlüsse auf den Maler und auf das Bild, auf die Hand, den Schaffensprozess und sogar die Geschwindigkeit, in der das Bild entstanden ist. Nach der zweiten Palette setzte Schallers Ehrgeiz ein, inzwischen hat er weit über hundert Paletten fotografiert. »Es geht mir aber nicht darum, eine Kunstgeschichte zu schreiben«, sagt er. »Ich bin Trophäenjäger.« Einzig der Name des Malers ist entscheidend, ob er losfährt oder nicht.

 

 

contemporaryartdailyblog

With a focus on what exhibitions are current – rather than best images or artists – CAD is a good way to keep track of what’s happening in the galleries.

http://www.contemporaryartdaily.com/

 

 c-monster

The ‘monster is another NYC monolith. Tends to the dot-point, to save time.

Interessant vor allem wegen der umfangreichen Linkliste zu Künstlern, Museen, Galerien…

http://c-monster.net/

 

try-har-der

The everywherest of the LA art blogs – pretty much big pictures of shows and the backs of people’s legs.
Passend dazu: Wie Hipster und andere schöne Menschen die Kunst erleben.

 

 

 

 

Seit nunmehr acht Jahrzehnten greifen Menschen, die Fragen zu Farben, Pigmenten, Malmitteln und Bindemitteln, Malgeräten und Malgründen haben, auf dieses wichtige Standardwerk zurück.
Die Palette der Themen erstreckt sich von den antiken Maltechniken, der Temperamalerei des Mittelalters und der frühen Ölmalerei bis hin zu den jüngsten Malfarben, den Acrylfarben und den Alkydharzmalmitteln. Ein erklärender Anhang mit weiterführenden Literaturangaben, viele Farbtafeln und mehr als 200 Abbildungen veranschaulichen die Ausführungen über die Verwendung und Herstellung von Malfarben, das Grundieren von Leinwänden, die Fabrikation von Pinseln, die manuelle und industrielle Erzeugung von Malpapieren sowie generell die Theorie und Praxis verschiedener Malverfahren.

Klappentext zu „Malmaterial und seine Verwendung im Bilde „

 

Durchaus ambivalente Gefühle hat dieses Buch von Susanne Kippenberger über ihren Bruder Martin bei Rezensent Thomas Wagner ausgelöst. Zweifelhaft scheint ihm, ob die Herangehensweise der Autorin zu einem befriedigenden Ergebnis führt. Denn Susanne Kippenberger schreibt in seinen Augen keine Biografie des Menschen und Künstlers, sondern ein Porträt, das zwar auf der gemeinsamen Kindheit und Jugend basiere, sich ansonsten aber auf die Aussagen von allzu vielen verlasse, die dabei gewesen seien. Wagner wirft die Frage auf, was man zu fassen bekomme, wenn man all die Sprüche Kippenbergers mit Etikettierungen wie Anarchist, Gentleman, Männerbündler und Frauenfeind, Einzelgänger und Alleinunterhalter, Selfmademan und Menschengärtner verbindet. Heiße das nicht, so der Rezensent, „Jedem seinen Kippenberger?“ Immerhin hält er die Kapitel über Kindheit und Jugend für überaus intensiv. Doch auch sie sind seines Erachtens nicht frei von Zügen der Mythisierung. Schließlich trägt sie für den Geschmack des Rezensenten einfach viel zu dick auf, mit der Folge, dass das Buch ins Hagiografische kippt.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung

 

 

Viele Autoren haben schon die Moderne zu Grabe getragen, aber kaum jemand so brillant und „luzide“ wie der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich in seinem neuen Essay „Siegerkunst“, versichert Rezensent Till Briegleb. Mit feinsinniger Ironie und geradezu „angelsächsischer Eleganz“ untersuche Ullrich den zeitgenössischen Kunstmarkt und lege in aller Schärfe dar, wie der bloße Marktwert eines Werkes Kategorien wie Authentizität des Künstlers, Werkinhalt, ästhetische Provokation oder gesellschaftliche Relevanz verdränge. Egal ob es sich um „Ästhetikunternehmer“ wie Olafur Eliasson, Jeff Koons und Damien Hirst oder Biennale-Künstler handele – stets geht es um Besitz statt Rezeption, liest der Kritiker bei Ullrich nach und erfährt, wie auch Kuratoren und Katalogtextverfasser den Werken mit „gestelzter Prosa“ Relevanz angedeihen lassen. Auch wenn der Begriff der „Siegerkunst“ nicht unbedingt als neuer Epochenbegriff dienen wird, hat Briegleb diesen scharfsinnigen Abgesang auf das kulturelle System mit Gewinn gelesen.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung


Leicht zu Lesen und ein guter Einstieg in die Phänomenologie. Die hat mehr mit der Malerei zu tun als vieles was die Kunstgeschichte zu bieten hat.
Anregend, aktuell, gar erbaulich findet Rezensentin Iris Radisch Sarah Bakewells „Cafe der Existentialisten“, indem sie glänzende Porträts von Merleau-Ponty, Camus, Sartre, Heidegger, Foucault, Levi-Strauss und vielen anderen liest. Allein wie die britische Publizistin Persönliches, Gegenwärtiges und Philosophisches beredt miteinander verbindet, ringt der Kritikerin größte Anerkennung ab. Dass Sartre in dieser Gruppenbiografie ein wenig in den Mittelpunkt gerät, zudem über jede Kritik erhaben scheint, kann die Rezensentin gern verzeihen: Viel zu interessiert liest sie das Kapitel über Merleau-Ponty, dessen „Phänomenologie der Wahrnehmung“ Bakewell als eigentliches existentialistisches Vermächtnis deutet. In Zeiten von Islamismus, Rechtspopulismus oder allgegenwärtiger Überwachung treffen die Existentialisten den Nerv der Zeit, meint Radisch und spricht eine klare Leseempfehlung aus.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit

 

 

Muss man nicht am Stück und schon gar nicht ganz lesen. Perfekt für das name dropping in aktuellen Kunstdiskursen. Das Begriffslexikon zur zeitgenössischen Kunst bietet auf 376 Seiten einen kompakten Überblick über die wichtigsten Phänomene zeitgenössischer Kunst. Führende Theoretiker unserer Zeit beschreiben, analysieren und bewerten in 90 Essays pointiert die Kunstentwicklung von 1960 bis heute.

 

 

Eine Chronik des Jahres 1913 kann aus unserer heutigen Perspektive nicht gelesen werden, ohne an das Folgejahr und den Ersten Weltkrieg zu denken, findet Gustav Seibt. Das Mosaik hochproduktiver Genies, das Florian Illies in „1913“ präsentiert, lasse nicht vergessen, dass damals alles Schaffen ein schnelles Ende gefunden habe. Lust, die damalige Kunst wieder zu entdecken, macht das Buch dem Rezensenten trotzdem. Sigmund Freud, Karl Kraus, Kafka, Wittgenstein, Weber, Schönberg: da kommt schon eine illustre Runde zusammen. Seibt versichert, Illies habe die Geschichten aufwendig recherchiert und schön arrangiert. Aber nicht nur Künstler und Philosophen habe ihren Weg in das Buch gefunden, verrät der Rezensent: Ecstasy, Prada und Aldi auch.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung

 

 

Rezensentin Jutta Person zeigt sich fasziniert von Siri Hustvedts New York-Roman „Was ich liebte“, in dem sie den Kunsthistoriker Leo Hertzberg rückblickend die Lebensgeschichten zweier Paare im New Yorker Stadtteil SoHo erzählen lässt. Entstanden ist nach Ansicht Persons ein Familiendrama und Psychothriller, ja eigentlich ein „Philothriller“. Person sieht in Leos Rückblick vor allem ein Rätselraten über den Ursprung des Wechselbalgs, zu dem sich Mark, Sohn seines Malerfreundes Bill Wechsler und dessen Frau Violet, entwickelt hat. Hinter der glatten Unschuldsmiene des Pillenschluckers Mark verberge sich eine Welt, zu der die alternden Intellektuellen keinen Zugang mehr hätten. Die Differenz, erklärt Person, zwischen der Gewissheit der geistigen Tiefe, die Leo und Violet in der „Kritik“, dem „Zweifel“, der „Subversion“ zu finden glauben und der „puren Oberfläche“ oder der „seelenlosen Mechanik“, die von Mark und seinem unheimlichen Künstlerfreund verkörpert werden, scheint unüberbrückbar. Insgesamt würdigt Person Hustvedts Roman als „ebenso spannendes wie intelligentes Panorama der Wechselfälle, die das Leben und die Kunst zu bieten haben“.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung

 

Selbstironie gemischt mit einer guten Portion Abgeklärtheit nehmen Harald Jähner sehr für Michel Houellebecqs jüngsten Roman ein, und damit hat der französische Autor sogar nicht wenige erklärte Houellebecq-Gegner für sich gewonnen, wie der Rezensent weiß. In seinem Künstlerroman, in dem der Maler Jed Martin mit fotografierten Ausschnitten von Michelin-Regionalkarten zu Ruhm gelangt, lässt der Autor die Figur Michel Houellebecq auftreten, ein Schriftsteller, der ein wenig stinkt, sehr eigenbrötlerisch ist und auf Seite 266 mitsamt seinem Hund zerstückelt aufgefunden wird, erklärt der Rezensent. Das wird „Houellebecq-Hasser“ erfreuen und andere amüsieren, glaubt Jähner. In der Figur des Malers sieht er zudem ein ironisches Alter ego des Autors, der das Bedürfnis nach Authentizität befriedigt und damit „Surrogate des wahren, natürlichen Lebens“ liefert.
Rezensionsnotiz aus Frankfurter Rundschau