Die Grundklasse

Anspruch ohne Leistungsdruck.

Die Malerei für sich entdecken mit der Grundklasse.

Die Vermittlung der malerischen Grundlagen ist für mich eine der verantwortungsvollsten Aufgaben beim Unterrichten. Hier werden erste Weichen gestellt, die zu einer hoffentlich langen und produktiven Beschäftigung mit der Malerei führen. Über die Frage nach dem richtigen Weg gibt es unterschiedliche Schul- und Lehrmeinungen. Meine persönliche hat sich schon während des Studiums herauskristallisiert. Es gibt nicht den einen Weg in die Malerei. Jede TeilnehmerIn trägt ihre eigenen Erwartungen, Fähigkeiten und Erfahrungen in den Unterricht mit hinein. Das zu berücksichtigen und produktiv mit einzubeziehen ist eine wichtige Voraussetzung für den späteren Erfolg.

Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es einen ganzheitlichen Zugang zur Malerei. Einen der alle Sinne anspricht und zum selbstständigen Ausprobieren anregt, der die Inhalte im Unterricht transparent und für die sinnliche Erfahrung nachvollziehbar darstellt, ohne darüber die Einsicht zu vergessen, dass Malerei immer auch etwas intuitiv Körperliches ist. Der individuelle malerische Ausdruck ist das wichtigste Werkzeug, an dem sich alle Techniken und Regeln erst entfalten können.

Statt von Handwerk sollten wir hier besser von Körperwerk sprechen und da gehört der Kopf auch dazu. Die theoretischen Grundlagen der Malerei sind alles andere als körperloses Wissen. Die Farbkontraste, die Kompositionslehren, wie auch die Beiträge zur Kunstgeschichte bleiben reines Buchwissen, ergänzt man sie nicht durch die praktischen Erfahrungen und Experimente, aus denen sie von klugen Köpfen abgeleitet wurden. Es ist schon verblüffend, wieviel Lebenspraxis in den so abstrakt erscheinenden Theorien zum Vorschein kommt, macht man sich einmal die Mühe sie von all dem wissenschaftlichen Ballast zu befreien.

Theorien zur Farbe und Kunst sind nicht a priori entstanden, sondern in Sprache gefasste Erfahrungen und Beobachtungen von Menschen. Das soll nicht heißen, dass die Malerei keine echten Herausforderungen für die Teilnehmenden bereithält, nur eben nicht im Rahmen von Leistung abrufen und Aufgaben erfüllen. Zu den produktivsten Quellen der Inspiration gehört das Scheitern, es ist der Punkt, an dem die gewohnten Abläufe ins Schwingen geraten, es tauchen neue Wege auf, die einen kreativen Umgang mit der Malerei erst möglich machen.